Vom 5. – 6. November 2012 fand in Chambéry (Frankreich, Karte) mit insgesamt ca. 120 Teilnehmern GeOnG 2012, das Forum of Geographic Information for Disaster and Relief statt. Organisiert wurde die dritte Veranstaltung dieser Reihe durch cartONG – Mapping for humanitarian organisations. Die beiden Tage waren ausgefüllt durch Round Table-Vorträge, Workshops und verschiedene Möglichkeiten, andere Teilnehmer, ihre Projekte und Arbeitsschwerpunkte kennen zu lernen. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung über den ersten Tag.

Firmenausstellung GeOnG 2012

Firmenausstellung GeOnG 2012, im Vordergrund der Ballon für Luftaufnahmen im Krisenfall vom apder.org


In der Eröffnungsfeier stellten Maeve de France (President) und Patrice Moulin (Vice-President vonCartONG) stellten (auf Französisch) die Geschichte ihres Unternehmens und seine Ziele vor. Schwerpunkt ist die Unterstützung internationaler Organisationen und anderers Nichtregierungsorganisationen (Non governmental organisation / NGO).

Anhand einiger Cartoons wurde das Hauptthema “Du Cloud au terrain / From the cloud to the field” eingeführt. In ihrem anschließendem Grußwort betonte Isabelle Herlin (Deputy mayor, International Relationships) der gastgebenden Stadt Chambéry die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit (auch mit Partnerstädten in Europa und in Afrika) im Zuge der Entwicklungsförderung und der Weiterbildung.

Opening Session GeOnG 2012: Du cloud au terrain

Opening Session GeOnG 2012: Du cloud au terrain

In einer ersten Sitzung, geleitet von Sandra Sudhoff (CartONG), stellten Paola de Salvo (ESRI), Rene Saameli (ICRC – Internationales Rotes Kreuz, Genf), Jean-Thomas Rouzin (WebGeoServices) und Emilie Landois (Google France) Aspekte und Erfahrungen zum Thema “Cloud applications, possibilities and challenges” vor. Sandra umriss mit “Cloud possibilities, Cloud Misconcpetions, Cloud applications for humanitarians, Sharing and standardization, How to manage cloud systems (field vs. HQ) , How to keep your data safe?” verschiedene zu diskutierende Fragen. Mit Begriffen wie Software as a Service (SaaS), Platform as a Service, Security as a Service, Data as a service wird die Komplexität dieser Technologie deutlich.

Das Thema von Jean-Thomas Rouzin (WebGeo Services) war From Geo-Cloud to the field. Das französische. Unternehmen wurde 2009 mit Fokus auf „Géo-Cloud“-Applikationen gegründet und umfasst nun 18 Mitarbeiter an drei Standorten. Das Anwenderszenario wurde von ihm wie folgt skizziert:: „I need to create and share maps as fast as possible with my organization and my partners. My budget is lImited. I do not have 6 months to get ready. My maps are needed be thousands of users”. Besonders die Anzahl der Nutzer und die Vielzahl der Dienste erhöhen die Komplexität signifikant. Das entwickelte WGSPortal soll die Aspekte „Agility, simplicity, ergonomy, fast setup, security, innovation“ abdecken.
WGS Geoportal

René Saameli sprach über “Applications Cloud en support a l’Exploitation d’infrastructure hydrauliques rurales en Ethiopia”. Beim Internationalen Roten Kreuz ist die Einheit “Eau et Habitat” zuständig, im Katastrophenfall die Wasserversorgung rasch wieder herzustellen. Aufgezeigt wurde dies anhand eines Beispiels für die Region Tigrée in Nordäthiopien, bei dem Wasserzapfstellen wieder hergestellt und eine Datenverwaltung aufgebaut wurde. Die Daten wurden zunächst als Excel-Tabellen erfasst, dann in der Zentrale in der Provinzhauptstadt Mekele zusammengeführt und mittels ArcGIS um Lageinformation ergänzt.

Es wird überlegt, diesen asynchronen Prozess durch Nutzung von GSM-Netzwerken und automatisierter Geokodierung (Majella Web Service) in der Cloud zu automatsieren. Im Web sind die Daten für jedes Büro in der 43 Woredas durch Login geschützt verfügbar und können über Google Maps und Google Earth verfügbar gemacht werden. Für den Datenzugriff steht ebenfalls ein REST-basierter Zugriff zur Verfügung.
In der Verfügbarkeit des GSM-Netzes und der Cloud werden viele Möglichkeiten gesehen. Samrtphones können verwendet werden, um Basisdaten aufzubauen, für regelmäßige Updates der Daten sind diese jedoch nach Erfahrung von René weniger geeignet. Somit stellt die Laufendhaltung der Daten eine Herausforderung dar. Für die lokalen Büros muss es möglich sein, lokal Kopien der Daten verfügbar zu haben.

ArcGIS Workshop

Web mapping with ArcGIS online (Paola de Salvo, Esri)

Paola de Salvo (Esri Global Affairs Team) stellte in ihrer Präsentation die Vorteile der Technologie für humanitäre Zwecke (Food Security, Environment, Health, Education) dar, basierend auf ihrer 12jährigen Erfahrung in humanitären UN-Projekten. Als Vorteile nannte sie Aspekte der Datenverfügbarkeit und -demokratisierung, die die Feldarbeit unterstützen. Dabei jedoch Aspekte der Aus- und Weiterbildung (capacity building) im Zusammenhang mit der sich stetig weiter entwickelnden Technologie zu beachten. Herausforderungen sind Server- und Software-Sicherheit, Verfügbarkeit des Internetzugangs, Interoperabilität zwischen cloudbasierten Systemen und traditioneller Desktopsoftware, Prozessabläufe und Prozessunterschiede (zwischen Headquater and field) sowie Datensicherheit und Datenschutz zu nennen. Zu kultivieren seien, so Paola, “connectivity and co-creativity” sowie “partnership and community Network development”. Als Beispiele zeigte Paola verschieden Esri-ArcGIS-Online-Dienste wie Höhenangaben, Streetview, Routing, Geokodierung, Heatmap, POIs.

Emilie Landois (Google France, Geospatial Sales Engineer) sprach über « Google et la géo dans le cloud. Voir, decouvrit, Comprendre ». Über 700.000 Web Sites nutzen das Google Maps API, ca. 200 Millionen mobile Nutzer die Kartenbilder von Google. Dienste in der Cloud sind u. A. Höhenangaben, Streetview, Routing, Geokodierung, Heatmap, POIs, Geolokalisation, Tracks. Als Gründe nennt Emilie Einfachheit, Schnelligkeit und Skalierbarkeit, Kosten, Sicherheit, Weiterentwicklung, Zugänglichkeit (Accessibilité). Googles Maps Engine erlaubt es, eigene Daten hochzuladen, mit Daten von Google und anderen zu überlagern und die Karten unter Aspekten der Sicherheit zu publizieren z. B. über WMS. Der Ansatz erinnert somit an ähnliche Dienste von Esri, Geonode und anderen, Eine Beispielanwendung Eyes on Forest (WWF) oder Image after Hurrican Isaac wurde gezeigt.
Als weiterer Dienst wurde Maps Coordinate zur Führung mobiler Mitarbeiter vorgestellt.

In der Diskussion wurden folgende Aspekte betont: Der Nutzer muss Eigentümer der Daten bleiben. Die Verfügbarkeit muss langfristig gesichert sein, auch durch Replikation in lokalen Kopien, somit durch eine Kombination herkömmlicher Webtechnologien (hinter der Firewall des eigenen Unternehmens) und der Veröffentlichung von Daten in der Cloud.

Als technische Anregung wurde noch in der Diskussion auf die Sicherung durch Tunneling zwischen Nutzer-IT und Cloud hingewiesen.

Der anschließende Roundtable “Accessing your data from the field in all circumstances” wurde wieder von Sandra Sudhoff (CartONG) geleitet, Eingangsfragen waren: “What to do when there is no Internet network?”, “How to use standard GSM cell phoes to access and manage your data?”, “How to use WiFi?”
Christophe Bois (iMMAP) stellate das NOMAD Projekt vor (humanitariaN Operations Mobile Acquisition of Data). Ziel ist es, “to improve information management for humanitarian organizations by linking them with the latest mobile data collection technology to improve collection, analysis and management of information”.

Apps für mobile Datensammmlung (die es sowohl frei verfügbar als auch in kostenpflichtiger Form gibt) sollen den Übergang von der papierbasierten Datensammlung zum digitalem Workflow unterstützen. Dazu unterstützt auf der Website der Online Selection Assistant den Interessierten. Für die Übertragung können bei Ausfall der lokalen Funknetze satellitengetragene Systeme genutzt werden (Thuraya, Unmarsat, Globalstar, Iridium). Server können In house installiert oder über Outsourcing bereitgestellt warden.

In einem über Youtube gezeigten Film wurden von Paul Gardner-Stephens (Serval Project) – via Skype aus Neuseeland Ergebnisse eines Projekts mit dem Neuseeländischen Roten Kreuzes bereitgestellt. Die Nachrichtübertragung erfolgt über Iridium mittels eines bi-direktional arbeitenden Modems (ca. 250US$), das das Smartphone mit dem Satelliten verbindet. Mit dabei: opendatakit.org. Dabei wird XML verwendet, um Formulare auszufüllen. Idee ist es ebenfalls einen Twitter-ähnlichen Dienst bereitzustellen, um Meldungen zu sammeln und bereitzustellen. Smartphones könnten so konfiguriert werden, dass sie ein lokales WLAN aufbauen (Maschenweite ca. 120m), in dem nur ein Knoten den Anschluss an das Satellitennetzwerk braucht. Hierbei bleibt allerdings das Problem der Batterielaufzeit. Die Maschenweite kann durch einen ad-hoc-WIFI-Repeater erhöht werden.

Sébastien Le Bel (CIRAD) sprach über “Using SMS in Human Wildlife conflicts”, augezeigt am Bespiel der Elefantenpopulation in Zimbabwe. Hier gilt es, die landwirtschftliche Nutzung trozt Wildbestand dennoch sicher zu stellen. PACL: Prevention, Alerting, Controling Learning. Dabei wird FrontlineSMS genutzt, um Textnachrichten über den Computer erfassen zu können. Die Informationen müssen in sehr kondensierter Form als Textnachricht versandt werden (Reihe von Feldern, durch Komma getrennt). Dem Sender einer Nachricht wird automatisch eine Danknachricht gesandt. FrontLineSMS habe einige Einschränkungen, als Alternative könnte RapidSMS verwendet werden. Sébastien weist darauf hin, dass Satellitenkommunikation (siehe auch IUT) in manchen Ländern nicht zuverlässlich sei. Kosten und Verfügbakeit der verschiedenen Dienste schlecht vorhersehbar. Die Kosten seien stark von der Datenmende abhängig (bis zu mehreren Tausend Dollar / Monat).

Am Nachmittag wurden verschiedene Workshops parallel angeboten: Mobile data collection with ODK (Sandra Sudhoff, CartONG), Introduction to web mapping (Arnaud Vandecasteele, MINES ParisTech), Web mapping with GeoNode + EpiCollect presentation (Thierry Crevoisier & Rémi Galinier, WFP).

GeOnG 2012: Mobile data collection with ODK

GeOnG 2012: Mobile data collection with ODK

Die mobile Datenerfassung mittels Open Data Kit (ODK) unterstützt die ortsbezogene, formularbasierte rasche Datenerfassung durch Befrager vor Ort. Die Daten werden nach der Erfassung direkt auf einen Server übertragen, können dort datenbankbasiert gespeichert, ausgewertet und in verschiedenen Formaten exportiert werden. Die Formularsteuerung basiert auf XMLForms und kann Bereichsabfragen und Varianten enthalten. Gegenüber papierbasierter Erhebung sind Frageteams in Entwicklungsländern bei dieser Art der Ergebung höher motiviert, und auch die Qualität der Daten steigt. Benötigt werden jedoch Smartphones, ein grundsätzliches IT-Verständnis und Stromversorgung.
Sandra berichtete über ihre Erfahrungen bei der Durchführung solcher Befragungsaktionen und gab wertvolle Hinweise (z. B. Entfernung der SIM-Karte, Flightmode, …). Formulare können über Open Data Kit/ oder direkt in einem Texteditorwie Notepad++ erstellt werden. ODK Validate prüft die Korrektheit der XMLForms-Datei. http://formhub.org/ bietet zusätzliche Unterstützung (“a free hosted service that makes data collection simple and collaborative.”).

Weitere Workshops am späteren Nachmittag waren Web mapping with ArcGIS online (Paola de Salvo, Esri), Web mapping with MapBox (Xavier Chaze, MINES ParisTech) und OpenStreetMap and mobile solutions (Pierre Giraud, Humanitarian OSM Team – HOT).

GeOnG 2012: OpenStreetMap Workshop

GeOnG 2012: OpenStreetMap Workshop mit Pierre Giraud

Pierre Giraud stellte Hintergründe des OpenStreetMap-Projekts, Lizenzaspekte, das OSM-Wiki, grundlegende Datenstrukturen und das Tagging-Konzept vor. Die Teilnehmer konnten die Datenerfassung mittels Walking Papers, den Android Smartphone-basierten Survey OSMtracker sowie JOSM kennen lernen. Als weitere, für den humanitären Einsatz interessante Werkzeuge wurden der von Pierre entwickelte OpenStreet HOT Tasking Manager sowie MapOsmatic vorgestellt.

Der Tag klang aus mit einem gemeinsamen Dinner mit Savoien-typischen Gerichte Raclette und Käsefondue im Restaurant Le-Savoyard (http://www.restaurant-le-savoyard.com/). Das Abendessen bot den Teilnehmern der Konferenz ein sehr angenehmes Ambiente, sich kennen zu lernen und über Projekterfahrungen und Pläne auszutauschen.

Über den Folgetag wird demnächst hier berichtet.

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About fjbehr

Prof. Dr.-Ing. Franz-Josef Behr, Professor of Geoinformatics at Stuttgart University of Applied Sciences (http://www.gis-management.de/). His specializations include * Internet, Internet GIS * XML, GML, SVG * Data exchange and Interoperability * Visualization * Open Source Solutions * Consulting Member of the DIN working group NA 005-03-03 AA "Arbeitsausschuss Kartographie und Geoinformation" (Sp CEN/TC 287+ISO/TC 211). He is the author of two authoritative books on GIS in German, one is "Strategisches GIS-Management", published by Wichmann Verlag (2004). The second is "Einführung in Geographische Informationssysteme" (1997).

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