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Von Dänemark bis Italien: Zahlreiche Neuerungen bei OpenRouteService.org
20.08.2008
 
OGC-konformer Routenplaner auf Basis von OpenStreetMap

Von Benutzern freiwillig beigesteuerte Inhalte sind der Grundpfeiler erfolgreicher Anwendungen im Web 2.0. Ein Paradebeispiel ist die Online-Enzyklopädie-Wikipedia. Auch Geoinformationen können durch die freiwillige Kollaboration vieler Individuen generiert werden - "Volunteered Geography". Ein prominentes Beispiel ist das OpenStreetMap-Projekt (OSM). Hier entsteht von einer offenen Community an Freiwilligen gemeinschaftlich erhoben eine frei verfügbare und von jedermann editierbare Weltkarte, die besonders in mehreren deutschen Städten bereits höheren Detailreichtum (Fußwege, Radwege) bietet als amtliche oder kommerzielle Kartenwerke. Allerdings gab es bislang kaum Berührungspunkte zwischen diesen kollaborativen Projekten des GeoWeb.2.0 und den in der Geoinformationswirtschaft relevanten Standards des Open Geospatial Consortiums (OGC). Dass dies gar kein Widerspruch sein muss, zeigt OpenRouteService.

Vor kurzem wurde mit OpenRouteService.org ein zunächst deutschlandweiter Routenplaner vorgestellt, der einerseits komplett auf den offenen Standards des OGC basiert und zudem als Datenbasis die freien Geodaten von OpenStreetMap - der freien Wiki-Weltkarte - nutzt. Damit war OpenRouteService z.B. noch vor Google o.ä. der erste überregionale Fahrrad- und Fußgängerroutenplaner – und das noch auf Basis offener Standards und unter Nutzung einer von in zunehmendem Maße - gerade bzgl. Rad- und Fußgängerwegen - oftmals „besseren“ Datenbasis. Mittlerweile werden von OpenRouteService neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich, Belgien, Italien, Lichtenstein und Dänemark für alle Routing-Varianten unterstützt. Neben dieser Version für Zentraleuropa wurde auch eine eigene Variante für das Ursprungsland von OpenStreetMap das Vereinigte Königreich von Großbritannien umgesetzt und wird demnächst online gestellt. Eine Ausdehnung auf weitere Staaten ist in Arbeit.

OpenRouteService ist aber weit mehr als ein einfacher Routenplaner, da er mehrere Dienste der OGC Open Location Services Initiative (OpenLS) beinhaltet, die für otsbezogene Dienste (LBS) relevante Funktionen wie einen Gelbe-Seiten-Dienst (Kategrien-Umgebungssuche), Geocoding u. Reverse Geocoding/Adresssuche etc.) bieten. Diese Dienste stehen auch auf Basis der OSM-Daten länderübergreifend zur Verfügung und können auch einzeln genutzt werden. So wurde der OpenLS Directory Service auf Basis der OSM-Daten im Rahmen von www.gdi-3d.de eingesetzt. Daneben wurden auf diesen Basisdiensten weiterführende Dienste realisiert. Hierzu zählt unter anderem ein Erreichbarkeitsdienst, der u.a. das in einer gegebenen Zeit erreichbare Gebiet als Polygon berechnet. Zudem können in der "extended" Version des Routenplaners vom Nutzer selbst Gebiete in der Karte eingezeichnet werden, die beim Routing umfahren werden sollen - die sogenannten "AvoidAreas". Außerdem werden eine Reihe weiterer OGC-Dienste wie SOS oder WPS für verschiedene Zwecke genutzt, z.B. um TMC-Daten einzubinden.

Im Moment bietet OpenRouteService.org die folgenden Basisdienste:

  • OpenLS Directory Service - Ortsbezogene "Gelbe Seiten"-Suche (Online-Branchenverzeichnis), d.h Umkreissuche nach Restaurants, Geschäften, Hotels, Parkplätzen etc.
  • Accessibility Analysis Service (AAS) - Berechnung eines vom ausgewählten Punkt aus in einer vorzugebenden Zeit erreichbares Gebiet als Polygon, auf Basis des Straßennetzes
  • OpenLS Location Utility Service - Geocoding & Reverse Geocoding, d.h. Konvertierung von Adressen (auch Freiform) in Geometrien und umgekehrt
  • OpenLS Presentation Service - Karten mit eingezeichneten Routen, POIs etc. (Z.Zt. nur interne Nutzung)
  • OpenLS Route Service - Routenplanung auf Netzwerkgraphen nach diversen Kriterien
  • Autofahrer: fastest
  • Autofahrer: shortest
  • Autofahrer: bei fastest und shortest zusätzl. Option: ohne Autobahn
  • Autofahrer: zusätzlich mit Berücksichtigung von TMC-Daten (real time traffic) für NRW & Bayern
  • Radfahrer
  • Fußgänger
  • Erweiterungen (spezielle Optionen für Radfahrer) sind geplant bzw. in Arbeit
  • RDS-TMC Daten über Staus, Unfälle, Baustellen etc. werden in einer ersten prototypischen Umsetzung sowohl auf der Karte angezeigt, als auch bei der Routenplanung berücksichtigt – allerdings zunächst nur für die Testgebiete Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die Integration erfolgte über eine Dienstekette unter Verwendung von OGC SOS (Sensor Observation Service), OGC WPS (Web Processing Service) und OGC WFS (Web Feature Service)
  • Ein OGC WMS (Web Map Service) mit OGC SLD (Styled Layer Descriptor) Unterstützung (als TileCache) dienst als OGC-konforme Variante neben den Kartenrenderern von OSM (Mapnik/OSMRenderer)
  • Intern wird ein OGC WFS (Web Feature Service) verwendet, in dem die Daten von OpenStreetMap thematisch aufbereitet und strukturiert vorliegen – und nicht nur im einfachen OSM-Datenmodell. Somit könnten die Daten von OpenStreetMap auch per GML ausgeliefert und somit in eigene GDI-Anwendungen integriert werden.
  • Die Integration der Daten in einen OGC Katalogdienst (CS-W, Catalogue Service Web) ist in Arbeit.
  • Ein OGC WPS (Web Processing Service) für die Einbindung von Höhenprofilen entlang der berechneten Routen ist unter Nutzung von SRTM-Daten umgesetzt und wird demnächst eingebunden.
Neben den normalen Fahranweisungen in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) für die Routen können mittlerweile auch erweiterte Sprachanweisungen ausgegeben werden (Auswahl: "de*" oder "en*"). Dabei werden in der Fahranweisung zusätzliche Objekte, die an Kreuzungen vorhanden sind, erwähnt, z.B. Ampeln oder kleine Kreisel. Dies wird zurzeit erweitert um Objekte, die in der näheren Umgebung von Entscheidungspunkten, z.B. Kreuzungen, liegen. Wenn also eine weitere Sprachanweisung nötig wird werden zusätzliche POIs (Points of Interest) als Art Landmarke in die Navigationsanweisung eingebunden.

Des Weiteren ist der Download der berechneten Route als GPX-Datei möglich (intern auch KML). Intern sind noch weitere Optionen realisiert (wie z.B. Zwischenpunkte beim Routing setzen, erweiterte Ausgabemöglichkeiten bei der Erreichbarkeitsanalyse etc.), die noch nicht in der Benutzeroberfläche sichtbar sind.

OpenRouteService wird laufend weiterentwickelt und wurde schon erfolgreich in diverse Produkte und Open Source Projekte integriert. So wurde der Route Service auch schon mit Straßendaten anderer Anbieter wie z.B. Teleatlas betrieben oder für Evakuierungssimulationen eingesetzt. Neben der Web-GUI unter http://www.openrouteservice.org wurden auch schon erste mobile Clients für Smartphones / PDAs entwickelt.


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OpenStreetMap

 

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